mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

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Zum Kehrenbürger werden …

Tatsächlich kann das freiwillige Müllsammeln einer Schatzsuche ähneln – Kinder machen vor, wie viel Freude es macht, den eigenen Kiez in Handarbeit zu säubern.

Kehrenbürger unterstützt durch die BSR 2017/03/DSC_0654.jpg

Freitagnachmittag – und wir gehen Müll sammeln. Freiwillig!

Es ist Freitagnachmittag, und mein Mann schließt die Wohnungstür, um sich dann – sichtbar müde – aus der Jacke zu schälen. Seine Körpersprache verrät, dass er dankbar ist, endlich im Wochenende angekommen zu sein, und ich ahne, dass er vergessen hat, dass wir heute noch Kehrenbürger werden wollen. Vorsichtig erinnere ich ihn an unseren Plan, und er seufzt. Sehr tief, das kann er gut. Um die Erinnerung aufzufrischen, erkläre ich ihm nochmal die Initiative Kehrenbürger der Berliner Stadtreinigung.

Hier können sich ehrenamtliche Teams, die ihren Kiez säubern wollen, hinwenden. Die BSR stellt Besen, Zangen, Handschuhe und Tüten zur Verfügung und nimmt den Termin in einem öffentlichen Kalender auf, so dass jeder, der sich engagieren will, dabei sein kann. „Heute sammelt eine Lankwitzer Kirchengemeinde in ihrem Kiez, da wollen wir hin“, schließe ich meinen Vortrag. Das Wetter ist bescheiden, und die Lust meines Gatten, noch den Müll anderer wegzuräumen, geht gen null. Er schielt zu unserem Sohnemann hinüber, der gerade dabei ist, seine Gartenhandschuhe auf ihre Arbeitstauglichkeit hin zu untersuchen – bei ihm ist die Begeisterung immens. Manchmal sind Kinder offensichtlich bessere Kehrenbürger …

Wie ein leuchtend oranger Schmetterlingsschwarm

Als wir die Kirchengemeinde erreichen, sind wir überrascht. Denn die Kehrenbürger, die sich hier eingefunden haben, sind überwiegend im Kindergarten- und Grundschulalter. Wir erfahren, dass die Gemeinde zweimal sammelt, einmal mit den Kindern, einmal mit erwachsenen Gemeindemitgliedern. Eine große Pappkiste wird geöffnet, und die Kinderaugen leuchten: Es gibt „coole“ orangefarbene Kehrenbürger-Westen, sogar im Mini-Format. Einige Eltern beschließen, die Gruppe zu begleiten und so flattert die Westen-Wolke wenig später wie ein leuchtend oranger Schmetterlingsschwarm durch ein Wohngebiet, eine Grünanlage und über zwei Spielplätze.

Die fleißigen Helfer in orangenen Westen 2017/03/DSC_0662.jpg

Mit gebeugtem Rücken und schnappender Zange

Sohnemann ist binnen Sekunden der personifizierte Umweltaktivist. Die Tatsache, mit einer Holzzange Müll zu sammeln, lässt ihn, der sonst eher zurückhaltend agiert, wagemutig ins dichteste Gestrüpp klettern. Unter den Kindern entbrennt ein wahrer Wettstreit, bei dem die Frage, ob hier Müll oder Schätze gesammelt werden, durchaus gerechtfertigt ist. Ganz gleich – die Freude der Kinder ist ansteckend. Selbst meine bessere Hälfte, die anfangs wenig motiviert war, ist nur noch mit gebeugtem Rücken und schnappender Zange unterwegs.

Es ist erstaunlich, was es alles zu entdecken gibt. Die Kinder finden nicht nur die üblichen Abfälle, die Berlins Wegesränder säumen, wie Zigarettenkippen, Getränkedosen, Pappbecher, Kronkorken, Zeitungen oder die unterschiedlichsten Verpackungen von Schokoriegeln. Im Park stolpern sie über einen ganzen Brotlaib, fein säuberlich in Scheiben geschnitten, der vor sich hin schimmelt. Wenig später schwingt eines der Mädchen einen vergammelten Fahrradsattel wie eine Trophäe durch die Luft. Auf dem Heimweg bleiben die Kinder am Straßenrand stehen und begutachten ein ausgeschlachtetes Mofa. Sie fragen lachend, ob wir das auch in unsere inzwischen gut gefüllten Müllsäcke stopfen wollen.

Ausgeschlachtetes Motorrad 2017/03/DSC_0703.jpg
Arbeitsmaterialien zum Müll aufsammeln 2017/03/DSC_0711.jpg
Verrosteter Fahrradsattel wird in den Müll geworfen 2017/03/DSC_0692.jpg
Alle Kinder suchen nach liegengelassenen Müll 2017/03/DSC_0690.jpg
Auch Lebensmittel, die nicht mehr gegessen werden gehören in den Müll 2017/03/DSC_0685.jpg
Mit einer Zange wird der Müll in den blauen Sack geworfen 2017/03/DSC_0656.jpg
Genügend Besen zum Kehren von Müll 2017/03/DSC_0625.jpg

Das Glück des kindlichen Weltretter-Rausches

Als wir zum Gemeindehaus zurückkommen und die Westen ablegen, zieht Sohnemann die Stirn kraus und fragt: „Irgendwie verstehe ich das nicht. Das liegt doch bei den Leuten vor der Tür. Warum schmeißen die das alles dahin? Das finden die doch bestimmt selber nicht schön, oder?“ Mein Mann und ich müssen eingestehen: Es gibt Fragen, auf die wir keine Antworten haben …

Sieben gut gefüllte Müllsäcke unterstreichen seine Überlegungen, und nur langsam klingt das Glück des kindlichen Weltretter-Rausches bei den großen und kleinen Kehrenbürgern ab. Das Gefühl, es gäbe noch so viel sauber zu machen, schwindet nur schwerlich …

Zum Abschluss wärmen wir uns im Saal der Kirchengemeinde auf. Es gibt Kaffee, heiße Schokolade, Würstchen mit Pommes und eine Kleinigkeit zu naschen. Die Stimmung ist ausgelassen, nahezu festlich, und während ich die Kinder so betrachte, habe ich eine Melodie im Kopf: „Muss nur noch kurz die Welt retten …“ Umgehend hole ich mein Handy aus der Tasche und schaue im Kehrenbürger-Kalender nach, wann bei uns in der Nähe Müll gesammelt wird. Mein Herz wird warm, als mein Mann mir über die Schulter schaut und fragt: „Und wo geht’s weiter?

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