mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

Was kann er denn, der Bambus-Becher? Zurück zum Blog Der Einwegbecher oder: 170 Millionen Problemfälle in Berlin

Von einem ersten Baum und einem kleinen Allrounder

Am 15. Juli fiel der Startschuss der Umwelt-Kampagne „Mein Becher für Berlin“ und schon nach einer Woche haben die S-Bahn Berlin, die BIO COMPANY und die Marktzeit Berlin so viele Mehrwegbecher verkauft, dass – rein rechnerisch – das Geld für einen Baum gespendet werden könnte. Genau genommen schon für anderthalb Bäume.

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Der erste Baum - das fühlt sich so gut an

Tatsächlich, das fühlt sich so gut an: Die Summe für die erste Baumpflanzung ist – rein rechnerisch – durch Spenden über die Becherverkäufe inzwischen zusammengekommen. Und das schon nach einer Woche. Zufrieden teile ich meiner besseren Hälfte das Ergebnis beim Frühstück mit und füge hinzu: „Siehst Du, so einfach geht es, sich für Berlin, seine Bäume und die Umwelt zu engagieren!“  Mein Mann schweigt und ich ahne, dass er überschlägt, wie viele Bäume zusammenkommen könnten, wenn die Kampagne derart weiter laufen würde.

„Wann wird der Baum denn gepflanzt?“, fragt er nur, und ich erkläre ihm, dass die Spenden zum Kampagnen-Ende als Gesamtsumme an „Stadtbäume für Berlin“ übergeben werden. „Stell dir mal vor“, ich setze eine bedeutungsvolle Pause, „dann werden in der ganzen Stadt Bäume stehen, an denen das kleine gelbe Schild hängt: Die Pflanzung wurde ermöglicht durch Mein Becher für Berlin“.

Und wann holst du ihn dir, den Becher?

„Ja, und wann holst du ihn dir, den Becher?“, setze ich motiviert nach, weil ich das Bild der kleinen Bäume mit den gelben Schildern so anregend finde. Als keine Antwort kommt, versuche ich, ihm eine Brücke zu bauen: „Du kannst auch gern meinen Becher nehmen, wenn du zur Arbeit gehst, zumindest solange bis du einen eigenen geholt hast. Die BIO COMPANY hat sie bereits im Sortiment.

Auch auf dem Ökomarkt der Marktzeit Berlin am Nordbahnhof sind sie beispielsweise mittwochs erhältlich.“ Mein Mann schaut mich mit leichtem Unbehagen an, ganz so, als hätte ich ihn aufgefordert, meine Ballerina ins Büro anzuziehen. „Ja, meine Kollegin hat den Becher bereits in der S-Bahn gesehen, und stell Dir vor: Ein Mann hat ihn genutzt“, füge ich hinzu. „Aber ich nutze das Ding doch schon“, sagt mein Mann.

Verweigerung oder kreativer Umgang mit dem Becher?

„Meinst du die Aktionen, in denen du den Becher zum Saft- oder vielmehr Zahnputzbecher, in eine Pommes-Schale, in einen Eisbecher, zum Chips-Transporter  oder zum Obstsalat-Schälchen umfunktioniert hast?“ In diesem Moment frage ich mich, ob das jetzt Verweigerung oder ein ernst gemeinter kreativer Umgang mit dem Thema ist.

Er lässt für das Kind unterwegs ohne mit der Wimper zu zucken Eis und Pommes in einen Mehrwegbecher füllen, das ist machbar. Aber warum ist es für ihn selbst schwer, einen nachhaltigen Kaffeebecher zu nutzen? Ziemlich angesäuert lasse ich meine bessere Hälfte allein mit seinem Brötchen sitzen.

Bestechung oder einfach ein Allrounder?

Am nächsten Tag, als ich von einem Termin zurückkomme, steht der Becher auf dem Tisch, darin ein Strauß Rosen. Obwohl meine bessere Hälfte das gute Stück offensichtlich wieder nicht mit zur Arbeit genommen hat, muss ich lachen. Schwungvoll drehe ich mich um, als er ins Zimmer kommt und umarme ihn. „Okay, ich werte deine Mehrweg-Nutzungen mal so aus: Der Becher ist ein Allrounder, richtig?“

Er wiegt den Kopf, und ich lege nach: „Ist das dann jetzt ein hübscher aber plumper Bestechungsversuch, oder vielleicht ein erster Fortschritt?“ Wir stehen Arm in Arm, und auch das fühlt sich einfach so gut an. Bis er breit grinst und sagt: „Tja, das bleibt abzuwarten …“

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