mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

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Von eigenen Wegen, sich dem Thema Nachhaltigkeit zu nähern

Die Nachhaltigkeitsmesse Heldenmarkt erreichte ein breites Publikum und sorgte bei mindestens einem Besucher für einen Quantensprung in der persönlichen ökologischen Entwicklung. Ein Erfahrungsbericht.

Logo vom Heldenmarkt 2016/12/DSC_0910.jpg

Wenn der Heldenmarkt ruft …

Da solle einer die Männer verstehen: Tatsächlich nimmt meine bessere Hälfte die neue Aufgabe, Müll zu vermeiden, beim Einkaufen verantwortungsvoll wahr. Aber trotz aller Begeisterung – die Europäische Woche der Abfallvermeidung, die vom 19. bis 27. November deutschlandweit begangen wurde, konnte ihn nicht begeistern. „Wozu brauche ich dieses Programm?“, fragte er nur und ließ sich zu keiner der Berliner Veranstaltungen entführen. Wenn ich jetzt ergänze, dass diese Events überwiegend draußen stattfanden, dann klingt das argwöhnisch, durchaus. Denn für die Nachhaltigkeitsmesse Heldenmarkt am 26. und 27. November konnte er sich erwärmen – lag es am Namen, an der Möglichkeit zu shoppen oder einfach daran, dass diese drinnen stattfand?

Ein Quantensprung der ökologischen Entwicklung

Dass es längst nicht so weit ist mit unserem Umweltbewusstsein, wie ich noch vor wenigen Wochen dachte,  habe ich inzwischen begriffen. Genau genommen sind wir lausige Anfänger in der Frage, wie man im Alltag nachhaltig handelt, aber immerhin: Wir arbeiten daran und kommen schrittweise voran. Doch am Samstag schien mein Mann, während wir auf den Einlass vor dem Heldenmarkt warteten, einen unerklärlichen Quantensprung in seiner persönlichen ökologischen Entwicklung zu machen. Er mutierte während der Herumsteherei in der sehr langen Warteschlange zum Helden – ohne dass ich davon etwas mitbekam.

Als wir endlich die Halle betraten, folgte ich ihm sprachlos, während er von Stand zu Stand rauschte. Nirgends konnte er weitergehen, ohne vorher ausführliche Gespräch geführt zu haben, ganz gleich, ob es sich um „faire“ Telefone, ökologisch produzierte Kleidung oder Körperpflege, umweltverträgliche Druckerfarben,  Beutel aus PET-Flaschen, Brote, bestellbare Gemüsekisten oder um  Ökostrom handelte.  Sogar Teehändler (mein Mann kennt Tee?) und Hersteller von Bürsten (mein Mann kennt Gemüsebürsten?) mussten dran glauben und mit ihm über die Weltrettung philosophieren. Meist wusste ich nicht, wer mir mehr Leid tat – die sachkundigen und geduldigen Aussteller oder ich, die hinterhertrottete.

Superheld auf Heldenmarkt

Doch mein Superheld redete nicht nur, er handelte auch. Er nahm die Ankündigung der Veranstalter, dass der Heldenmarkt  wohl „das größte temporäre Warenhaus für Nachhaltigkeit“ sei, sehr wörtlich und kaufte ein.

– Frische Paprika (haben wir im Kühlschrank),

– Brot (haben wir in der Brotkiste und im Gefrierfach),

– zwei T-Shirts (haben wir zufällig auch so ein bis zwei),

– Notizblöcke, die es im Dreierpack günstiger gab (der Mann schreibt nicht mal Einkaufszettel),

– Körperpflegeprodukte auf Olivenölbasis (die Verkäuferin war süß, in unserem Drogeriemarkt würde das nie klappen),

– Eier (zwölf Stück stehen zu Hause und warten auf die Pfanne),

– die bereits erwähnte Gemüsebürste  (ohne Worte)

und eine Teetasse, die ich nicht wollte, einfach weil ich genervt war, und so wurde sie kurzerhand zum Weihnachtsgeschenk für seine Mutter umdeklariert (mein Mann kauft Weihnachtsgeschenke?).

Tatsächlich begann ich irgendwann, meinem Mann die eine oder andere Anschaffung auszureden. Eine grässliche Erkenntnis, denn ich hinderte ihn daran, sein Geld in ökologisch wertvolle Gegenstände zu investieren.  Als er beim BIO COMPANY und Marktzeit-Stand innehielt und auf den „Mein Becher für Berlin“-Mehrwegbecher zeigte – normalerweise freue ich mich, wenn ich den Alleskönner irgendwo sehe – war mir die Laune mehr als vergangen. Meine bessere Hälfte bemerkte es nicht, sah in das Programm und stellte fest, dass er nun gern den Vortrag „Kann ein Bio-Supermarkt auf Plastik verzichten?“  hören würde.

Von eigenen Wegen, sich dem Thema Nachhaltigkeit zu nähern

Entnervt fauchte ich meinen Möchtegernhelden an, ob sein Kaufrausch nun beendet sei, und schob umgehend nach, dass er offensichtlich nachhaltiges Kaufverhalten gerade mit einem Kaufrausch verwechseln würde. „Erst mache ich dir zu wenig, und nun lege ich los – da passt es dir auch wieder nicht“, sagte er und sah tatsächlich betrübt aus.  Meine Wut verrauchte augenblicklich. Ja, es war vermutlich schwierig, es mir recht zu machen.

„Ob du es glaubst oder nicht, ich habe heute wirklich Spaß, es fühlt sich gut an, so bewusst einzukaufen“, fügte er hinzu und wirkte hinter seinen großen Einkaufsbeuteln (natürlich alle aus Papier und Stoff und PET) ein wenig verloren.  Mir dämmerte, dass jeder seinen Weg sucht, sich dem Thema Nachhaltigkeit zu nähern. Die Männer verstehe ich deshalb immer noch nicht so recht, aber den meinen verstehe ich nun zumindest in dieser Hinsicht ein wenig besser. Und für den Besuch im nächsten Jahr weiß ich, wie ein Heldenmarkt wirken kann …

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