mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

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Unter Berliner Bäumen

Die Berliner können stolz auf die Bäume ihrer Stadt sein und sich mit ihrem Kaffeekonsum nun aktiv für diese grüne Pracht einsetzen. Doch was haben ein Siebenjähriger und eine kleine, kürzlich gepflanzte, Linde gemeinsam?

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Unter Berliner Bäumen

Mia: Meine bessere Hälfte liebt die Natur und damit auch jeden einzelnen Baum, also setze ich gnadenlos alle Hebel in Bewegung: Am Wochenende schlage ich eine kleine Radtour vor, ich habe mich belesen und weiß, dass wir in Steglitz-Zehlendorf mit 62.301 Bäumen den größten Baumbestand der Stadt haben. Inzwischen kenne ich die Standorte des Nachwuchses, der im Zuge der Stadtbaum-Kampagne in unserer Gegend gepflanzt wurde und habe auf dem Plan, wo noch Lücken klaffen. Mit geballtem Wissen und einer Vor-Ort-Besichtigung zarten Sommer-Grüns hoffe ich, meinen Mann doch noch für das Projekt „Mein Becher für Berlin“ abholen zu können.

Weil sie es wert sind: Darum spenden Berliner seit 2012 für Bäume

Während wir in die Pedale treten, betrachte ich die Bäume: Rein rechnerisch säumen 82 von ihnen jeden Berliner Straßenkilometer, im Schnitt werden diese Augenweiden 60 Jahre alt. Die Sonne, die durch das Blätterdach über unseren Köpfen fällt, ist ein Anblick, den ich liebe. Eine Kastanie sieht aufgrund von Miniermotten-Befalls – selbst im Vorbeiradeln – weniger gut aus, und ich erinnere mich, dass 60 Prozent der Bäume ungeschädigt sind. Die anderen 40 Prozent haben gegen die Widrigkeiten ihres Standortes, mit Schädlingen oder Erkrankungen zu kämpfen. Und so muss immer wieder nachgepflanzt werden.

Wie sagte einst ein Bürgermeister: Berlin ist arm aber sexy. Kurzum: Das Geld der Stadt reicht derzeit nicht aus, und nun sind wir gefragt! Sie sind es wert, die Bäume, finde ich. Während wir die betongraue Hauptstraße entlang fahren, verweise ich nebenbei darauf, dass hier im Herbst drei Bäume gepflanzt werden, und der künftige Mehrwert steht mir bildlich vor Augen. Doch der Blick meines Mannes zeigt, dass er zu wittern beginnt, welchem Ziel mein Ausflug dient.

Wo kommen denn Linden, Eichen, Kastanien und Co. her?

Wenig später biegen wir in eine Seitenstraße ein, und ich bremse neben einer kleinen Winterlinde. Ein gelbes Schild verweist darauf, dass hier die Stadtbaum-Kampagne tätig war. „Die Neulinge sind in der Regel sieben bis neun Jahre alt und stammen meist aus Baumschulen in Norddeutschland“, erzähle ich ungefragt. „In Berlin wachsen in erster Linie Linden, Ahorn, Eichen, Platanen, Kastanien, Birken und Robinien.“ Sohnemann umarmt das schmale Stämmchen begeistert, tauft das Bäumchen Linda und nimmt an, dass seine neue Freundin so alt ist wie er selbst. Mein Mann fragt mich allerdings nur, ob das ein Ausflug oder eine Lehrstunde werden soll?

Berlin kann stolz auf seine Bäume sein

„Beides“, sage ich und fahre ungerührt fort. „1939, also vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, gab es 411.000 Bäume an Berlins Straßen. 1946 waren es nur noch 161.000, der größte Teil von ihnen war in Notzeiten verheizt worden. Heute, mit rund 439.000 Bäumen, haben wir mehr Grün denn je in der Stadt. Darauf können wir doch stolz sein, oder?“, frage ich und weiß, dass er nicht nein sagen wird. Er nickt, und ich lege nach: „Hier kannst Du es sehen – wir sparen Müll und für den Mehrwegbecher muss kein Baum gefällt werden.

Tatsächlich kommt der Kauf des Bechers den Bäumen zu Gute, auch hier, direkt bei uns vor der Tür.“ „Mein Gott“, sagt die bessere Hälfte, „dann kaufe ich halt so einen Becher, aber dann lass mich endlich in Ruhe damit.“ Ich grinse, ein wenig schief allerdings, und werte das trotzdem mal als Etappensieg, denn sobald mein Mann erst einmal Besitzer dieses bunten Kleinods ist, habe ich noch die eine oder andere Bitte an ihn.

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