mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

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Fraktionsarbeit in einer Sortieranlage

Fraktionsarbeit – warum alle Berliner und Brandenburger täglich daran beteiligt sind und damit einen Beitrag zum Recycling der Wertstoffe im Müll leisten. Ein Besuch in der Sortieranlage von ALBA.

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Wohin verschwindet der Müll unserer gelben und orangenen Wertstofftonnen?

„Und frage bitte mal nach, ob man Joghurtbecher nun ausspülen soll, oder nicht“, ruft mein Mann mir nach, als ich mich auf den Weg mache, um mir anzuschauen, wohin der Müll unserer Wertstofftonne verschwindet. Seine Frage klingt mir noch in den Ohren, als ich wenig später, in der Nähe des S-Bahnhofs Mahlsdorf, die erste der Hallen auf dem ALBA-Gelände ausmachen kann.

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Begrüßt werde ich vor dem Werkstor von Susanne Jagenburg, der Pressesprecherin, und Betriebsleiter Björn Schwich, die mich in die Geheimnisse der Sortieranlage einweihen werden.  Unübersehbar sind, kaum dass ich das Gelände betrete, die unzähligen Ballen, die auf dem Hof meterhoch gestapelt liegen.

Quaderförmige Materialbündel, getrennt nach den sogenannten zwölf Fraktionen, also den unterschiedlichen Wertstoffarten, die hier sortiert werden, wie verschiedene Kunststoffarten, eisenhaltige und nicht eisenhaltige Metalle, Folienarten oder auch Verbundstoffe. Im Dreischicht-Betrieb werden in Berlins größter Sortieranlage jährlich rund 140.000 Tonnen Wertstoffe getrennt. Sie stammen von gut 4,5 Millionen Menschen aus Berlin und Teilen Brandenburgs, die damit die gelben oder auch orangenen Tonnen füttern.

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Ein Bagger im Müll

Wir betreten eine offene Halle, in der die LKW ihre Ladungen zurücklassen, die dann mit einem Radlader in den sogenannten „Gebindeöffner“ gekippt werden. Riesige Klauen reißen die Müllsäcke auf, damit die darin enthaltenen Wertstoffe auch von den Maschinen erkannt werden können. Nun beginnt die im Schnitt zwanzigminütige Reise der Materialien, die kaum unterschiedlicher sein können, wie beispielweise Folien, Milchpackungen, Katzenfutterdosen, Kaffeepatronen, Shampooflaschen, Plastikspielzeug, Chipstüten, Campingbesteck oder auch Wurst- und Käseverpackungen.

In dem meterhohen Haufen, den der Bagger ein ums andere Mal anfährt, kann ich auch zahlreiche Coffee to go-Becher ausmachen. Kurz denke ich daran, dass meine bessere Hälfte und ich im Jahr zusammen gut 450 Einwegbecher sparen, seit dem wir den bunten Bambus-Allrounder unterwegs nutzen. Von uns ist hier zumindest kein Coffee to go-Becher mehr dabei!

Das Herzstück der Sortieranlage: eine Halle voller Hightech

Wir wechseln den Standort und betreten die eigentliche Sortieranlage: eine Halle, die auf den ersten Blick nur aus Laufbändern zu bestehen scheint. Die Anlage dröhnt, und es ist stickig. Schwich führt mich zum Laufband, auf dem der eben geladene Müll in eine der drei mannshohen Siebtrommeln geführt wird, die sich unentwegt gleichmäßig drehen. In dieser ersten Station wird nach Größe sortiert, dann geht es auf den schier endlosen Transportbändern weiter.

 

Laufband von oben 2017/04/DSC_0059.jpg
Laufband 2017/04/DSC_0939.jpg
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Quaderförmige Materialbündel platzsparend 2017/04/DSC_0063.jpg
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In dieser ersten Station wird nach Größe sortiert, dann geht es auf den schier endlosen Transportbändern weiter. In den nächsten Stationen kommen vielfältige Techniken zum Einsatz: Magnete, die alle eisenhaltigen Metalle herausfischen und Wirbelstromscheider, welche die nicht eisenhaltigen Metalle, wie Aluminium, trennen. Zwischendrin sehe ich einen künstlichen Luftstrom, der leichte Kunststoffe, wie Folien und Tüten, nahezu aufsaugt. Und wenn ich bisher gedacht habe, mehr Hightech ginge kaum, belehren mich die sogenannten „NIR-Trenner“ eines Besseren: Mithilfe von Nah-Infrarot-Technik werden die verbliebenen Material-Ankömmlinge gescannt, erkannt und dann über Düsen mit Luftstößen auf die jeweiligen Bänder befördert.

Die Sortieranlage – nur eine Zwischenstation der Wiederverwertung

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Abschließend sortiert die Nachkontrolle per Hand die Störstoffe aus. Mit beeindruckender Schnelligkeit greifen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den vorbeirauschenden Materialien die Fremdlinge heraus. Am Ende der Reise lagern die nahezu sortenreinen Fraktionen, in Ballen gepresst, abholbereit auf dem Hof.

Logistikunternehmen laden die Wertstoffe auf, und bringen sie zu den Verwertern, wie beispielsweise ins Rheinland. So werden beispielsweise bei einem Verwertungsspezialisten in Düren die Verbundstoffe, also Getränkekartons, in ihre Bestandteile zerlegt, womit Papier, Polyethylen und Aluminium zur erneuten Nutzung zur Verfügung stehen. Verschiedene Kunststoffarten wiederum verarbeitet ALBA selbst in Eisenhüttenstadt zu Regranulat.

Fraktionsarbeit im Büro

Zu Hause zeige ich meiner besseren Hälfte und Sohnemann die Fotos, während ich erzähle, dass in Berlin pro Person knapp 21 Kilo Leichtverpackungsabfälle im Jahr entstehen. Seit die gelben Tonnen auch mit Nichtverpackungen gefüllt werden dürfen, sind jährlich bisher noch einmal vier Kilo pro Kopf dazugekommen. Viel Müll, der aber getrennt und weiterverwertet werden kann. Beispielweise in Hüllen von Textmarkern, in Getränke- und Blumenkästen, in neue Dosen oder auch Folien. PET-Flaschen werden partiell sogar in der Herstellung von Vlies-Stoffen genutzt.

„Aber sage mal, warum sollte ich nach Joghurtbechern fragen?“, möchte ich von meiner besseren Hälfte wissen, denn wir kaufen diese Köstlichkeit in pfandpflichtigen Glasbechern. „Sie müssen, wenn sie geleert sind, nicht ausgespült werden, richtig?“, fragt mein Mann grinsend. Während ich nicke, schlägt er sich begeistert auf die Oberschenkel. „Der eine Kollege im Büro weiß immer alles besser, aber dieses Mal hatte ich Recht.“ Ich muss lachen und füge hinzu: „Ach, dann habe ich noch Infos, mit denen du auftrumpfen kannst: Die Reinigung übernehmen die Verwerter selbst, aber man soll bitte den Deckel vom Becher lösen, weil es unterschiedliche Fraktionen sind.“ Mein Mann strahlt, und ich weiß, wer am nächsten Tag Fraktionsarbeit im Büro leisten wird.

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