mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

Das Ringen um gute Vorsätze Zurück zum Blog Upcycling – das Wachsen an Herausforderungen

Die Kür der Müllvermeidung

Life Hacks zeigen, wie man mit einfachen Tricks den Alltag angenehmer gestalten kann. Einige dieser Tipps verraten zudem, wie man Lebensmittelreste verwertet.

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Eine Verschwörung oder Experimente mit Lebensmittelresten

Als ich letzthin morgens die Küche betrat und mein Mann mit bloßen Fingern Kaffeesatz in den Müll streute, habe ich mir nicht viel dabei gedacht. Als ich im Kühlschrank Kaffeesatz in einem offenen Glas entdeckte, glaubte ich ein leises Summen in meinem Hinterkopf zu vernehmen. Erst als ich zum Frühstück gekochte Eier vorgesetzt bekam und Sohnemann akribisch jeden Schalenkrümel einsammelte, schrillten sie – die Alarmglocken. Mein Mann eröffnete mir, dass er im Internet sogenannte Life Hacks entdeckt habe, in denen Lebensmittelreste verwertet werden. „Das ist die Kür der Müllvermeidung“, klärte er mich auf, und Sohnemann nickte eifrig. „Ja, Mama, wir wollen tolle Experimente machen.“ Konzentriert pellte ich das dritte Ei und witterte eine Verschwörung …

Von Eierschalensammlern und Massen-Kernhaltung

Seit diesem Tag entsteht in unserem Haushalt aus Eierschalen, Lebensmittelfarbe, Mehl und Wasser neuerdings Malkreide. Der Kaffeesatz im Eimer bindet Gerüche, auch das Glas im Kühlschrank dient dieser Aufgabe. Jedes Obst und Gemüse wird vom Sohnemann auf Kerne untersucht, die in einer Pflanzschale landen, die er aus der Schule mitgebracht hat. Die Kinder hatten darin Pinienkerne gepflanzt, seine rührten sich nicht und so versucht er sich nun in diesem Schälchen mit allen irgendwie verfügbaren Kernen an der Massenkernhaltung. Das klingt süß, oder? Ist es aber nur bedingt, denn …

Kaffeebehälter 2017/02/DSC_0458.jpg
Malkreide aus Ei 2017/02/DSC_0431.jpg
Kerne im Blumentopf 2017/02/DSC_0416_a.jpg
Wasserhahn mit Zitrone reinigen 2017/02/DSC_0522.jpg

Zitrone, Backpulver, Natron und andere Haushaltshelfer

… ein wenig ungläubig schaue ich auf die Zitrone, die mein Mann mir in die Hand gedrückt hat, dann begutachte ich das verkalkte Badezimmerwaschbecken. „Eigentlich reichen auch Zitronenschalen, aber für den Anfang ist es einfacher mit halben Zitronen zu arbeiten. Damit kannst du jetzt bitte mal das Waschbecken sauber machen“, bittet er mich und verschwindet. Sprachlos beginne ich meine Arbeit und frage mich, was mein Gatte derweil so treibt.

Erstaunt stelle ich fest, dass sein Trick funktioniert und komme nicht umhin, mich zu fragen, warum wir eigentlich diverse Putzmittel in der Kammer horten. In diesem Moment schaut mein Mann ins Bad. „Brauchst du noch Backpulver? Oder Natron?“, fragt er. „Das sind tolle Haushaltshelfer, sie lösen Schmutzränder ebenfalls hervorragend.“ Ein wenig stolz verweise ich auf den Glanz und lehne dankend ab. „Na, dann komm doch mal mit in die Küche, ich habe da was für dich.“

Kontraproduktiv: missionarischer Eifer

Als ich die dicke Paste sehe, die er mir entgegenhält, frage ich mich durchaus, warum Männer – wenn sie sich für ein Thema interessieren – häufig einen fast missionarischen Eifer an den Tag legen. Zumindest meiner, und ich glaube vernommen zu haben, damit kein Einzelschicksal zu sein. „Das ist eine Gesichtsmaske aus Kaffeesatz und Milch. Die Kaffeekrümel haben einen Peelingeffekt und das Koffein strafft die Haut“, erfahre ich. Und das sind für mich zu viele Botschaften auf einmal. Stimmt mit meiner Haut etwas nicht, warum soll ich sie peelen, warum muss sie gestrafft werden, und warum darf ich mir diesen Matsch ins Gesicht hauen?, frage ich mich.

Ungerührt fährt mein Mann fort: „Das ist wirklich toll, eben habe ich das Gitter und das Backblech aus dem Ofen mit Kaffeesatz gereinigt.“ Ob er merkt, welchen Vergleich er damit herstellt? „Du kannst deinen Backblechreiniger an dir selbst testen, vielen Dank“, entgegne ich nur und rausche, zugegebenermaßen etwas beleidigt, ab. „Naja, gut, wir können das ja auch erst einmal als Handpeeling verwenden“, ruft mein Gatte mir hinterher, der vermutlich bemerkt hat, dass er sich kontraproduktiv verhalten hat.

Die Schwester der Life-Hacks-Kür: Upcycling

Mehrwegbecher weiterreichen 2017/02/DSC_0491.jpg

Nahezu fluchtartig breche ich zu einem Termin auf, und wieder steht er neben mir – mein Gatte! Er drückt mir den kleinen Allrounder mit heißem Kaffee in die Hand. „Keine Sorge, man wächst an seinen Herausforderungen“, sagt er liebevoll. „Wir können  uns gern noch dem Upcycling zuwenden, das ist sozusagen die Schwester der Life Hacks. Das wird dir gefallen.“ „Dem was?“, frage ich und kralle mich am Becher fest. „Na, da wird nutzloses Zeug in brauchbare Dinge umgearbeitet. Ich habe auch schon ein paar Ideen.“ Als ich mich verabschiede, würde ich gern vor Selbstmitleid heulen, aber ich traue mich nicht, denn ich befürchte, mein Öko-Eiferer könnte auf die Idee kommen, meine Tränen als Glasreiniger zu nutzen …

Wenig später sitze ich in der S-Bahn, trinke meinen Kaffee, und beobachte eine junge Frau, die einen Minirock trägt, der eindeutig in seinem früheren Leben eine Jeanshose war. Plötzlich ist sie da, meine Idee: Aus meinem alten Jeansrock, einem schwarzen, viel zu langen Ungetüm, kann mir mein künftiger Upcycler doch eine Tasche nähen. Das nenne ich eine Herausforderung, an der kann er gern in Ruhe wachsen. Ich grinse, und umgehend schmeckt der Kaffee noch viel besser.

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