mein becher für berlin

Mia Schreiber

Mia engagiert sich begeistert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit …

Max Schreiber

… und Max natürlich auch, zumindest ab morgen, denn heute hat er leider keine Zeit!

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Das Ringen um gute Vorsätze

Jedes Neujahr drängen sie sich wieder auf: gute Vorsätze! Das Ergebnis: Vier im Selbstversuch getestete Anregungen, die helfen könnten.

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Nichts als Augenwischerei

Jedes neue Jahr bringt es mit sich – das Ringen um gute Vorsätze. Grundsätzlich weise ich sie weit von mir, mit der Begründung, sie seien nichts als Augenwischerei, dabei weiß ich, dass ich es nur nicht schaffe, sie umzusetzen. 2017 ist noch ruhig und entspannt, eine Gelegenheit, im Internet zu recherchieren, was kluge Menschen zu diesem Thema empfehlen. Mein Vorsatz: Dieses Jahr will auch ich mit guten Vorsätzen starten und diese umsetzen.

Strategie 1: Abstinenz und erreichbare Ziele

Schnell werde ich fündig: Mir wird geraten, mich zu informieren – worüber steht leider nicht dabei. Aber ich ahne, was gemeint ist: Wenn ich mit dem Rauchen aufhören wollte, sollte ich mich informieren, welche Vorteile das mit sich bringen würde. Aber ich rauche nicht, mein Problem ist eher, dass ich nicht weiß, worüber ich mich informieren könnte.

Der zweite Ratschlag ist zielführender – ich soll mir erreichbare Ziele stecken. AHA! In meinem Fall würde das bedeuten, aus der Vielzahl der Themen, die ich besser machen könnte, eines auszuwählen.

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Gemüse ohne Verpackung im Einkaufskorb 2016/11/DSC_0404.jpg
Gemüse in Fächern 2016/12/DSC_0906.jpg
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Gummibärchen-Abstinenz? Nein danke.

Noch mehr Gemüse? Später.

Mehr Zeit zum Innehalten und Entspannen? Schon besser.

In der Küche summt der Kaffeeautomat und unterbricht meine Gedanken. Das ist es: Wir schaffen dieses laute, schlecht zu reinigende und ökologisch nicht vertretbare Ding ab. Schließlich sind mir diese Aluminiumkapseln schon lange ein Dorn im Auge. Perfekt:

Der erste Vorsatz ist gefasst und will sofort in die Tat umgesetzt werden.

Strategie 2: Hindernisse aus dem Weg räumen

Das Internet verrät mir, ich solle Strategien entwickeln, für den Fall, dass sich meinem Vorhaben Hindernisse in den Weg stellen. Also marschiere ich in die Küche und stehe dem Hindernis gegenüber, das ich aus dem Weg räumen muss – in diesem Fall leider meine bessere Hälfte. Es ist ihr Kaffeeautomat, und sie liebt ihn. Ich beschließe es kurz und schmerzlos zu halten:

„Sage mal, diese Kaffeepatronen sind doch – im Hinblick auf Ressourcen und Müll – eine wirkliche Zumutung. Findest du nicht auch?“ Die rechte Augenbraue meiner Frau hebt sich. „Was willst du?“, fragt sie lauernd. „Dieses Ungetüm rausschmeißen.“ Sie lacht auf, nimmt einen Schluck Kaffee und schüttelt den Kopf. Sofort lege ich nach: „Wir haben dieses Projekt angefangen, und bisher haben wir viel erreicht – beispielsweise zehn Bäume mitgepflanzt, unser Einkaufsverhalten umgekrempelt und ich nehme täglich meinen Becher mit zur Arbeit, um Einwegbecher zu sparen. Nun wäre es doch auch mal an der Zeit, bei dir anzusetzen, oder?“

Strategie 3: Verbündete suchen

Sohnemann betritt die Küche, und ich erinnere mich an den nächsten Vorschlag aus dem Internet: Man solle sich Verbündete suchen. Er ist ein perfekter Verbündeter, denn in der Schule befassen sich die Kinder zurzeit mit einem Umweltprojekt. „Sage mal, Sohnemann, findest du nicht auch, dass diese Kapseln eine Umweltverschmutzung sind?“ Desinteressiert schüttelt er den Kopf. „Nö, ich nehme die leeren Dinger doch immer zum Basteln.“ Ich sehe diese sinnlosen Patronenklapperschlangen vor mir, die er mehrfach aufgefädelt hat. Verdammt, warum muss das immer alles so kompliziert sein? Aber noch gebe ich nicht auf.

„Du hast schon so viele davon gebastelt, du könntest doch stattdessen immer den Kaffee mahlen“, sage ich, während ich unsere Kaffeemühle vor ihm hinstelle. Irgendwo im Schrank steht eine Dose uralter ranziger Bohnen, von denen ich eine Handvoll in das Mahlwerk werfe. „Cool, das machen wir!“, ruft er und beginnt, begeistert zu mahlen. Der Duft gemahlenen Kaffees verbreitet sich in der Küche.

Kaffeemühle 2017/01/DSC_0376.jpg

Strategie 4: Kompromisse umgehend akzeptieren

Nun bin ich es, der lauert. Schweigend beobachte ich Sohnemann, der im wahrsten Sinne des Wortes durchdreht und dieses wunderbare Hindernis, das genauso beharrlich schweigt wie ich. Das Geräusch der Kaffeemühle, das – ehrlich gesagt – erheblich lauter ist als das Summen des Kaffeeautomaten, versuche ich zu ignorieren. Aber man muss auch Opfer bringen, denke ich, als meine Frau plötzlich aufschaut.

Sie grinst. „Herrje, du hast Recht, ich habe auch schon öfter darüber nachgedacht. Aber nur unter zwei Bedingungen: Kaffee mahlen wird immer eure Aufgabe sein, und jetzt machen wir uns noch einen Kaffee, den wir – sozusagen als Abschied – in Ruhe auf dem Balkon genießen.“ Draußen herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Da ich ohnehin keine weiteren Strategien mehr zur Hand habe, ergänze ich meine eigene:

Kompromisse müssen umgehend akzeptiert werden! Wenig später sitzen wir, dick eingepackt, auf der Holzbank und genießen die Winterimpressionen. Während ich den Blick schweifen lasse, erinnere ich mich an meine Überlegung, mir mehr Zeit zum Innehalten und Entspannen zu nehmen. Vielleicht ist das ja doch ein weiterer und guter Vorsatz? Ich werde mich mal informieren.

Kaffeebecher im Schnee 2017/01/DSC_0141.jpg
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